Angst

„HAHA, ich kriege dich“, rief die Angst und rannte der Seele hinterher. „Und wenn ich dich habe, dann fresse ich dich auf!“

Die Seele erschrak. Sie spürte, wie sich ihr Körper zusammenzog, wie die Angst von ihr Besitz nahm, ohne sie überhaupt schon ganz erreicht zu haben. Sie lief schneller. Suchte nach dunklen Ecken, in denen sie sich verstecken konnte, aber keine Spalte, keine Höhle schien ihr sicher zu sein.

Die Seele lief so lange vor der Angst davon, bis ihr die Luft wegblieb.

Da gab die Seele auf, blieb stehen, drehte sich um und sah der Angst in die Augen: „Da bin ich, du kannst mich haben!“ Die Angst bremste abrupt ab und in blieb in einiger Entfernung stehen: „Wie jetzt, du gibst auf?“

„Ja“, sagte die Seele, „es ist okay. Wenn du mich fressen willst, dann tu das. Aber ich lasse mich nicht mehr von dir einschüchtern und jagen.“

Die Angst stutzte und zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen: „Das geht doch nicht, du kannst doch nicht einfach stehen bleiben. Meine Aufgabe ist es doch, dich zu jagen und deine Aufgabe ist es, vor mir wegzulaufen.“

Die Seele atmete tief ein und wieder aus. „Nein, ich spiele das Spiel nicht mehr mit. Ich will nicht mehr!“
Die Angst machte einen Schritt auf die Seele zu, hob die Arme, um sich noch größer zu machen und rief: „Los, lauf davon, sonst fresse ich dich!“
Die Seele zuckte kurz zusammen, blieb stehen und antwortete: „Nein. Ich laufe nicht mehr davon.“

„Äh“, stammelte da die Angst. „Äh, na ja, also … na dann geh ich halt mal weiter! Aber eines Tages werde ich dich doch fressen!“
„Mag sein“, entgegnete die Seele. „Das werden wir ja dann sehen.“ 

 


Wie hat Dir die Geschichte gefallen?
Ich freue mich über einen Kommentar von dir!

Samira Tara

Ich liebe es, Geschichten zu schreiben.

Zurück
Zurück

Die Leere

Weiter
Weiter

Deine Gaben