Die Leere

Leere ist Fülle. Mit diesem Satz im Kopf war sie aufgewacht, mitten in der Nacht. Draußen war es noch dunkel und ganz still, selbst die Vögel schienen noch zu schlafen. Diesen Satz hatte sie irgendwo einmal gelesen und hatte ihn damals schon nicht verstanden: „Leere ist doch leer, da ist nichts. Das ist doch genau der Gegenpol von Fülle!“ Fülle war für sie ganz klar: Freude, tiefe Gefühle, Natur, Schönheit, Erfahrungen und Erlebnisse, aber auch materielle Dinge wie Geld oder Essen. Das war alles andere als leer.
Doch auch wenn sie diesen Satz nicht verstand, so hatte sie doch damals gespürt, dass darin eine Wahrheit lag. Eine Wahrheit, die sie anzog, die sie aber noch nicht erkennen konnte.

Nun also war der Satz wieder da. Mitten in der Nacht.

Sie zog die Stirn nachdenklich zusammen. Sie kannte die Fülle. Immer wieder war sie ihr begegnet und selbst wenn sie ihr einmal nicht so nahe war, so konnte sie sie doch in der Ferne spüren. Doch warum ging ihr bloß dieser Satz mitten in der Nacht durch den Kopf? Sie goss sich ein Glas Wasser ein, trank es in einem Zug aus und legte sich dann wieder ins Bett. Sie wollte jetzt einfach nur schlafen, anstatt über einen Satz nachzudenken, den sie nicht verstand.

Kaum hatte sie die Augen geschlossen, da klopfte es an der Tür. Es klopfte wieder. Nicht hämmernd, sondern sanft.

(…)

Die ganze Geschichte gibt es jetzt in meinem Buch:
Die Schnecke der Eremitin - Magische Erzählungen zwischen Aufbruch und Ankommen.

Samira Tara

Ich liebe es, Geschichten zu schreiben.

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Kleiner Spatz

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Angst