Das Baby
Das Baby weint.
Die Mama ist nicht da. Die ist irgendwo bei ihrer Mama und kümmert sich um die.
Das Baby hört auf zu weinen. Es schläft.
Mama kommt, das Baby wacht auf.
Doch ach, die Mama ist zwar da, aber mit den Gedanken woanders. Sie ist in der Zukunft.
Das Baby hat Hunger. Die Mama füttert es ein wenig und schaut es liebevoll an. Das Baby freut sich, doch schon ist die Mama wieder weg.
Das Baby weint leise. Es wächst nicht. Es wird zu wenig gefüttert.
Es braucht Zuwendung. Verbindung. Einfach da sein und gehalten werden.
Das Baby verstummt. Es wartet.
Die Mama kommt mal wieder vorbei und schaut auf das Baby. Das Baby schaut erwartungsvoll zurück in die Augen der Mama.
Doch es sieht dort keine Zuwendung, sondern Erwartungen. Es sieht Enttäuschung, dass es nicht so gewachsen ist wie all die anderen Kinder. Und die Mama geht wieder weg.
Das Baby hat Hunger. Es möchte so gerne wachsen, lernen und seine Mama lieben. Doch das kann es noch nicht von allein. Es braucht Zuwendung. Liebe. Geduld. Es kann nicht schneller wachsen als es nun mal wächst.
Das Baby wird krank. Es hustet. Die Mama ist da. Umsorgt es, macht warme Wickel und sorgt sich. Die Mama kann es kaum anschauen, aus Angst, das Baby zu verlieren.
Manchmal zweifelt die Mama auch, ob das überhaupt ihr Kind ist. Vielleicht wäre ein anderes besser für sie?
Manchmal ist alles gut.
Dann ist die Mama gut gelaunt, andere Menschen sind dort, es wird gelacht, gescherzt, das Baby wird herumgereicht.
Alle spielen mit ihm, kitzeln es am Kinn, halten einen Finger hin, damit das Baby es ergreifen kann. Das Baby gluckst und strampelt vor lauter Freude mit Armen und Beinen, als wollte es die ganze Welt umarmen. Doch dafür ist das Baby noch zu klein.
Das Baby spuckt aus, was ihm nicht schmeckt.
Es erbricht, was ihm nicht guttut.
Es kackt aus, was es nicht mehr braucht.
Die Mama mag das nicht. Sie möchte, dass das Baby immer lieblich riecht und glücklich ist. Aber sie weiß nicht, wie sie das selbst machen kann.
Die Mama sieht, dass das Baby nicht wächst. Sie mag es sich kaum anschauen, weil sie sich mehr wünscht.
Sie hat es nicht gelernt, dieses Baby zu nähren.
Sie sieht, wie andere wachsen, erfreut sich daran, aber manchmal ist da auch Neid, dass die anderen es besser hinbekommen.
Das Baby wartet. Es hat Zeit.
Das Baby weiß, dass es immer da sein wird.
Das Baby weiß, was seine Aufgabe ist. Aber es kann es noch nicht aussprechen.
Es braucht Liebe. Und Verbindung.
Es will gespürt werden. Berührt werden. Bewegt werden.
Sanft.
Liebevoll.
Es braucht Zeit zum Wachsen. Um seinen Charakter zu entwickeln.
Aber es ist schon alles da.
Es zeigt sich nur noch nicht.
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