Weiblichkeit

Am Anfang war das Ei.

Es war.

Vollkommen in seiner äußeren Form, die das Innere schützte.

Vollkommen in seinem Inneren. Formlos. Beweglich in sich und um sich herum schlingernd.

Langsam.

Gemächlich.

Eigenen inneren Impulsen folgend. Ohne Absicht. Ohne Ziel.

Existenz in seiner puren Form.

Es gab kein Dunkel, das Licht war nicht beständig, es änderte sich. Fortlaufend.

Mal war das Licht eingetrübt, als würden dunkle Wolken außerhalb der Eihülle vorbeischweben, mal wurde das Licht heller und heller.
Das Licht war in Bewegung, genau wie das Innere auch.

Das Licht wandelte sich. Verschwamm in Farben, kraftvoll und sanft. Stetig anders.

Es war da.

Es existierte.

Das war alles. Und es war genug.

Manchmal waren da Funken, wie aus einem anderen Universum, fern und doch auch ganz nah.

Es waren viele Funken, umkreisten das Ei, verschwanden wieder. Kamen näher und verschwanden.

Zeitlos.

Einem inneren Impuls folgend, atmete das Ei einen Funken ein. Das formlose Innere verschmolz mit dem Funken und etwas veränderte sich.

Da, wo vorher Formlosigkeit war, war Verdichtung, Verbindung, Zusammenhalt.
Und aus sich heraus teilte sich die Form, und teilte und teilte sich.
Doch sie wurde dadurch nicht kleiner, sondern wurde aus sich heraus größer und größer.

Es entstand Bewegung. Energie baute sich auf, die mehr und mehr wurde, viele neue Formen um sich herum baute.
Mehr und mehr winzig kleine Teile gebaren sich neu.

Während das Ei unterwegs war. Auf dem Weg zum richtigen Platz.

Dort ließ sich das Ei nieder. Sandte Wurzeln aus und nährte, was in ihm wuchs.
Immer noch die Hülle wie eine schützende Hand über dem gehalten, was im Inneren lebte,
Die neue Existenz pulsierte, genährt von dem Ei, genährt von all dem, was um sie herum war.

Es war das Leben selbst, was sich neu gebar. Mehr und mehr und mehr und mehr.

Und das Ei atmet.

Ein und aus.

Ein und aus. 

Langsam.

Geduldig.

Einfach seiend.

 

Am Anfang war das Ei.



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Samira Tara

Ich liebe es, Geschichten zu schreiben.

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Das Licht